ChatGPT für Anfänger: So startest du sinnvoll – ohne perfekten Prompt
Von Markus Hochreiter · Aus dem bisherigen MAXERYS-Blog übernommen und für den Homepage-Start gekürzt.
Du öffnest ChatGPT. Vor dir ist ein leeres Eingabefeld. Und plötzlich wirkt eine einfache Frage erstaunlich kompliziert. Was sollst du schreiben? Wie genau muss es sein? Brauchst du einen besonderen Prompt? Und was passiert, wenn du etwas falsch formulierst? Viele Menschen bleiben genau an dieser Stelle hängen. Nicht weil ChatGPT zu schwierig wäre. Sondern weil rund um das Thema der Eindruck entstanden ist, man müsse zuerst eine neue Sprache lernen. Die gute Nachricht: Du brauchst keinen
perfekten Prompt. Du brauchst zuerst nur eine Aufgabe, die du gerade wirklich lösen möchtest.
Das eigentliche Problem ist selten der Prompt
Wenn eine Antwort von ChatGPT zu allgemein, zu lang oder unbrauchbar ist, liegt das nicht automatisch an einer falschen Formulierung. Häufig fehlt etwas viel Einfacheres: ein klares Ziel. „Schreib mir eine E-Mail“ lässt fast alles offen. An wen geht die Nachricht? Was soll sie erreichen? Wie soll sie klingen? Was ist bereits passiert? ChatGPT kann solche Lücken nicht zuverlässig erraten. Es füllt sie mit Annahmen. Manchmal passen diese Annahmen. Manchmal klingt das Ergebnis überzeugend und geht
trotzdem am eigentlichen Problem vorbei. Der Aha-Moment für Anfänger ist deshalb nicht: Ich brauche bessere Prompt-Tricks. Er lautet: Ich muss ChatGPT zeigen, wobei ich gerade Hilfe brauche.
So startest du in vier einfachen Schritten
1. Beginne mit dem Ergebnis, das du brauchst Beschreibe zuerst nicht die Technik, sondern dein Ziel. Ich möchte einem Kunden freundlich nachfassen, ohne aufdringlich zu wirken. Das ist für ChatGPT hilfreicher als ein langer Prompt voller Regeln, bei dem das eigentliche Ziel unklar bleibt. 2. Gib nur den Zusammenhang, der wirklich nötig ist Ein oder zwei Sätze reichen am Anfang oft aus. Das Angebot wurde vor sieben Tagen verschickt. Der Kunde hat noch nicht geantwortet. Wir hatten davor ein
gutes Gespräch. Du musst nicht deine ganze Vorgeschichte erklären. Gib ChatGPT die Informationen, die ein hilfreicher Mensch ebenfalls bräuchte. 3. Sag, wie das Ergebnis aussehen soll Möchtest du eine kurze Liste, einen ersten Entwurf, eine Tabelle oder eine Erklärung in einfachen Worten? Sag es direkt. Formuliere eine kurze E-Mail mit höchstens fünf Sätzen. Sie soll freundlich und ruhig klingen. Das Wort „Prompt“ musst du dafür nicht einmal kennen. 4. Verbessere die Antwort gemeinsam Die erste
Antwort muss nicht fertig sein. Schreib einfach, was noch nicht passt: Kürzer. Einfacher erklären. Weniger förmlich. Das ist nicht meine Frage. Stelle mir zuerst drei Rückfragen. Gib mir nur den ersten Schritt. ChatGPT ist am nützlichsten, wenn du nicht auf den einen perfekten Versuch hoffst, sondern die Antwort Schritt für Schritt verbesserst.
7 einfache Dinge, die du heute mit ChatGPT machen kannst
Du brauchst kein großes Projekt. Nimm eine kleine Aufgabe, die sowieso vor dir liegt. 1. Eine E-Mail vorbereiten Gib Ziel, Empfänger und Ton an. Lass dir einen ersten Entwurf erstellen und passe ihn anschließend an deine eigene Sprache an. Beispiel: Ich muss einen Termin verschieben. Schreibe eine freundliche kurze Nachricht an einen Kunden. Schlage Dienstag oder Donnerstag am Vormittag als Ersatz vor. 2. Einen langen Text verständlich machen Du kannst einen Text einfügen oder – wenn dein
ChatGPT-Zugang es unterstützt – eine Datei hochladen. Bitte nicht nur um eine Zusammenfassung, sondern um die Punkte, die du wirklich brauchst. Beispiel: Erkläre mir diesen Text in einfachen Worten. Nenne danach die drei Punkte, die für meine Entscheidung wichtig sind. 3. Gedanken sortieren Wenn du viele lose Notizen hast, kann ChatGPT daraus Themen, Prioritäten oder eine sinnvolle Reihenfolge bilden. Beispiel: Ordne diese Notizen nach Themen. Markiere offene Fragen und schlage eine sinnvolle
Reihenfolge für die Bearbeitung vor. 4. Eine Checkliste erstellen Aus einer Aufgabe lässt sich schnell eine übersichtliche Liste machen. Das ist besonders hilfreich bei wiederkehrenden Abläufen. Beispiel: Erstelle mir eine kurze Checkliste für die Vorbereitung eines Kundengesprächs. Trenne in „vorher“, „im Gespräch“ und „danach“. 5. Einen Text ruhiger und klarer formulieren ChatGPT kann einen vorhandenen Text überarbeiten, ohne den Inhalt neu zu erfinden. Beispiel: Formuliere diese Nachricht
klarer und freundlicher. Behalte alle Fakten bei. Vermeide Werbesprache. 6. Fragen für ein Gespräch vorbereiten Wenn du nicht weißt, was du in einem Termin klären solltest, kann ChatGPT mögliche Fragen sammeln und ordnen. Beispiel: Ich spreche morgen mit einem Dienstleister über eine neue Website. Welche zehn Fragen helfen mir, Angebot, Ablauf und laufende Kosten zu verstehen? 7. Den nächsten Arbeitsschritt finden Manchmal ist nicht die Aufgabe zu groß, sondern der Einstieg zu unklar. Dann hilft
eine kleine Bitte: Das ist mein Ziel und das ist mein aktueller Stand. Nenne mir nur den nächsten sinnvollen Schritt und erkläre kurz, warum. Dieser Einsatz ist unspektakulär. Genau deshalb funktioniert er im Alltag so gut.
Drei Beispiele: von vage zu brauchbar
Beispiel 1: E-Mail Vage: Schreib mir eine E-Mail. Brauchbarer: Ich möchte einem Kunden freundlich nachfassen. Das Angebot ging vor sieben Tagen raus. Schreibe eine kurze E-Mail mit höchstens fünf Sätzen. Kein Verkaufsdruck. Beispiel 2: Planung Vage: Plane meine Woche. Brauchbarer: Diese Woche habe ich fünf Aufgaben und zwei feste Termine. Ordne die Aufgaben nach Dringlichkeit und Aufwand. Plane maximal drei wichtige Aufgaben pro Tag und stelle Rückfragen, wenn Informationen fehlen. Beispiel 3:
Erklärung Vage: Erkläre mir Datenschutz. Brauchbarer: Erkläre mir in einfachen Worten, welche Datenschutzfragen ich bedenken sollte, bevor ich Kundendaten in ein KI-Werkzeug eingebe. Das ist eine erste Orientierung, keine Rechtsberatung. Nenne mir anschließend, was ich fachlich prüfen lassen sollte. Der Unterschied liegt nicht in einer geheimen Formel. Die bessere Anfrage macht Ziel, Zusammenhang und gewünschtes Ergebnis sichtbar.
Was ChatGPT nicht für dich übernehmen sollte
Wichtige Fakten ungeprüft übernehmen ChatGPT kann falsche oder erfundene Angaben erzeugen und dabei sehr sicher klingen. Prüfe deshalb Zahlen, Zitate, Quellen, rechtliche Aussagen und andere wichtige Informationen. OpenAI weist selbst darauf hin, wichtige Angaben mit verlässlichen Quellen zu kontrollieren. Vertrauliche Informationen gedankenlos eingeben Kopiere keine personenbezogenen, vertraulichen oder geschäftskritischen Daten in einen Chat, nur weil es bequem ist. Kläre vorher, welche
Regeln in deinem Unternehmen gelten und welche Einstellungen oder Tarife du verwendest. Entscheidungen mit großen Folgen abgeben Bei Gesundheit, Recht, Finanzen, Personal oder Sicherheit kann ChatGPT beim Strukturieren von Fragen helfen. Die fachliche Entscheidung gehört zu einer qualifizierten Person. Mehr Text mit mehr Qualität verwechseln Ein langer Prompt ist nicht automatisch besser. Wenn du beim Schreiben selbst den Überblick verlierst, ist wahrscheinlich auch für ChatGPT das Ziel nicht
mehr klar. Die erste Antwort als Endergebnis behandeln Nutze die erste Antwort als Entwurf. Ergänze fehlenden Kontext, korrigiere Annahmen und streiche, was nicht passt.
Prüfe wichtige Angaben im Original und nutze nur Daten, die du verarbeiten darfst. Verfügbarkeit und Grenzen des jeweiligen KI-Dienstes können sich ändern.